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Gedanken zum Design-Begriff

Wie Sie vielleicht bereits in anderen Beiträgen gemerkt haben, verwende ich den Design‐Begriff im Kontext dieses Blogs oft in seinem weit möglichsten Sinne:
„Design“ zeigt sich in allen Facetten menschlicher Entwurfsgedanken, Form‐ oder Sinngebung. Design ist also nicht nur die rein äußere, ästhetische oder funktionale Gestaltung der Dinge, sondern auch Gestaltung auf einer Metaebene. Nach dieser Auffassung ist ein „echter Designer“ also jemand, der auch die Gesellschaft, das Zusammenleben, die Werte‐ und Sinnfragen unseres Lebens mitgestaltet.
 
Diese Erkenntnis aus einer rein semantisch‐begriffliche Betrachtung des Design‐Begriffs findet in der Praxis sogar eine noch deutlichere Bestätigung: Der Designer nimmt mit seiner Tätigkeit (beispielsweise in der Gestaltung von Werbeanzeigen, Kampagnen oder Produkten) eine Knotenpunkt‐Position ein, die ihm ein hohes Maß an Macht (und Verantwortung) auferlegt.
Hanna Martus bezeichnet dies in Ihrer Arbeit „Bewusstsign“ als „Katalytische Kraft“ des Designers.
Diese ergibt sich erstens daraus, dass der Designer meist an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Organisationen und einer Vielzahl von Menschen arbeitet. Bei ihm laufen also verschiedene Vorstellungen und Zielsetzungen zusammen, die er zu einem konkreten Ergebnis, Konzept oder Produkt synthetisieren muss.
Zweitens ist es einfach die Menge an Repliken (also z.B. die Auflage eines vom Designer gestalteten Flyers) die immer dann eine Multiplikatorwirkung des Designs mit sich bringt, wenn es sich nicht um ein isoliertes Unikat handelt.
Und drittens ist es die Fähigkeit des Designers, die er sich (idealerweise) in seiner Ausbildung angeeignet hat, die ihm die „Katalytische Kraft“ verleiht; denn sie ermöglicht ihm einen mehr oder weniger direkten Zugang zu den Köpfen der Menschen, zu ihren Emotionen, Bedürfnissen, Einstellungen und ihrem Wissen.
 
Neben der „Katalytischen Kraft“ verleihen auch der Netzwerkgedanke des Designs (vernetzt arbeiten, vernetzt denken, Informationen verknüpfen) und seine sozio‐kulturelle Bedeutung dem Designbegriff eine Bedeutung, die weit über das äußere Gestalten hinaus geht.
 
Doch zu welchem Sebstverständnis als Designer führt diese Erweiterung in de Wahrnehmung des eigenen Tätigkeitsfeldes? Natürlich muss das jeder Designer für sich selbst beantworten, doch für mich als „Srategic Art Director“, Ausstellungs‐ und Informationsdesigner hat es Kalle Lasn ausgezeichnet auf den Punkt gebracht:

»I am the tiller of the mindscape just like the farmer is the tiller of the soil and that’s why I nurture it and care for it and make sure that there will always be wilderness, diversity and freedom there. «

Ob man sich damit als Designer nicht unglaublich wichtig nimmt? Ob man diesen Ansprüchen an sich und seinen Beruf überhaupt gerecht werden kann? Keine Ahnung. Kann schon sein, dass man dabei auch immer mal wieder Kompromisse eingehen sollte. Für mich ist es auf jeden Fall der richtige Ansatz.

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